Migration - Gesundheit und Bildung 

Das Thema Migration ist sehr komplex und vielschichtig. Vor allem zeigt sich dieses Thema in seiner vollen Komplexität und Vielschichtigkeit, wenn wir uns dem einzelnen Migranten und der einzelnen Migrantin zuwenden. 

D.h. wenn wir willens und in der Lage sind Migration in ihren unzähligen individuellen Ausprägungen einmal näher zu betrachten und ernst zu nehmen. Wer Migration nur aus der Außenperspektive betrachtet verfehlt den "individuellen Kern" des Themas.

Es sollte zur Selbstverständlichkeit werden mit Migranten und Migrantinnen zu sprechen, bevor man über sie spricht. Entgegen der Vergegenständlichung und Verdinglichung von Außen sollte den Migranten und Migrantinnen die Möglichkeit der individualisierenden Selbstdarstellung eingeräumt werden. 

Individualisierende Selbstdarstellung bedeutet  nun aber keineswegs eine Selbstdarstellung  jenseits des  eigenen kulturellen Selbstverständnisses. 

Das "Selbst" entwickelt sich immer im Kontext d.h. in der bejahenden und verneinenden  Auseinandersetzung mit Vorgaben des eigenen sozio-kulturellen und subkulturellen Umfeldes. 

In einen solchen Prozess der Bejahung und Verneinung dem neuen Umfeld gegenüber gerät ein/e Migrant/in nun auch und das neue Umfeld sollte Verständnis dafür aufbringen, dass Migration einen dialektischen Prozess zwischen Bejahung und Verneinung dem Neuen gegenüber darstellt d.h. eben kaum jemals eine vorbehaltlose Bejahung des Neuen darstellen kann.

Integration in ein neues Umfeld ist vor allem davon abhängig was das Individuum in sich integrieren will und kann. Dabei spielt die individuelle psychische Struktur jedes Einzelnen eine durchaus große Rolle. Auch hier müssen wir wieder dem/der "individuellen Migranten/in" Rechnung tragen d.h. hier kommt wieder ins Spiel was jeder einzelne auf seine eigene Weise in seiner Kultur und sub-kulturell erfahren hat und daraus für sich und sein Umfeld gemacht hat.  Hierfür kann es viele aber  auch wenige Anknüpfungspunkte in der "neuen Welt" geben. 

Wesentlich stellt sich bei dem Thema der "Integration" auch die Frage, ob und wie sehr Fremde  zur Projektionsfläche desintegrierter Anteile der Kultur und Individualität von Einheimischen werden. 

Die Integration von Migranten stellt immer auch eine Frage des "Integrationszustandes"  der Aufnahmekultur - und einzelner Individuen dieser Kultur in ihren jeweiligen sozialen Kontexten - dar. Wir müssen lernen für diese vielfältigen Wechselwirkungen sensibel zu werden, wenn uns an einem tieferen Verständnis der migrativen Erfahrungswirklichkeit gelegen sein sollte.

Migration stellt eine große psycho-soziale Herausforderung dar. Das gilt auch für Personen, die zwar selbst keine "Wanderung" vollzogen haben, die jedoch in einem Kontext von Migration leben, also beispielsweise die Kinder von Zuwanderern, welche in dem Aufnahmeland geboren wurden und dort aufgewachsen sind.  

Wesentlich für den Kontext von Migration und Bildung ist dabei, dass sich viele der vor allem auch emotionalen Herausforderungen einer Migrationssituation belastend auf die "Lernleistung", also auf die kognitive Aneignung der Welt auswirken können, denn jedes Erleben jede neue Erfahrung wird von mehr oder weniger intensiven Gefühlen begleitet. Gerade auch die besondere migrationsbedingte Gefühlslage, welche durch eine Vielzahl von neuen und tiefgreifenden manchmal auch verstörenden Erfahrungen verursacht wird, ist bei der Einschätzung und Begleitung der Möglichkeiten und Grenzen von Lernleistungen im Rahmen einer Migrationssituation von großer Bedeutung. Dabei werden auch Kinder aus Einwandererfamilen, die im Aufenthaltsland geboren wurden und keine direkte "Wanderungserfahrung" gemacht haben immer wieder mit "Neuem" konfrontiert, und das vor allem dann, wenn sich die familiären Anforderungen und Vorgaben stark von den Anforderungen und Vorgaben der Aufnahmekultur unterscheiden.

Dabei gilt es jedoch immer auch die Chancen zu sehen, welche die neuen Erfahrungen in der Migration bieten können. Das eigene Leben kann bereichert werden, so können sich Motive und Möglichkeiten entfalten und entwickeln, die zuvor durch das alte Umfeld entweder gar nicht in den Blick kommen konnten oder aber deren Verwirklichung im alten Umfeld aus verschiedensten Gründen nicht möglich war. Immer müssen wir Risiken und Chancen bei der Einschätzung der Migrationserfahrung und des Lebens in einem Migrationskontext gleichermaßen beachten um zu einer ausgewogenen Einschätzung zu kommen, welche sich sowieso nur am Einzelfall und damit entlang der jeweils individuellen Dialektik zwischen subjektiven und objektiven Voraussetzungen qualitativ differenziert gewinnen lässt. 


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